R

Währenddem die 12-köpfige Schweizer Delegation in Tianjin die Reisetaschen gepackt hat und sich mit Jian Li auf der langen Rückreise in die Schweiz befindet, hat Delegationsleiter Pedro Pelz ein erstes Fazit gezogen. Er hat dabei auch das Tischtennistraining, die Rahmenbedingungen und die Sportförderung in China mit demjenigen in der Schweiz und Westeuropa verglichen.

1. Wie beurteilst du die in Tianjin erlebte Trainingsqualität und –quantität?
PP: Die Trainingsumfänge während des Trainingslagers des TTC Neuhausen/Schweizer Nationalmannschaft in Tianjin war mit 6 Stunden täglich für Schweizer Verhältnisse recht hoch. Da alle SpielerInnen des Stützpunktes Tianjin professionell dem Tischtennissport verschrieben sind stellt das für diese kein sonderliches Problem in körperlichen Bereich oder auch zeitlicher Hinsicht dar. Es müssen weder Schule noch Beruf mit dem Leistungssport verbunden werden. Das Training ist sehr intensiv, flacht aber in der letzten halben Stunde der Trainingseinheit deutlich ab, wo mehr oder weniger frei gespielt.

2. Was sind die wesentlichen Erkenntnisse für das Neuhauser Trainerduo Pedro Pelz und Pavel Rehorek?
PP: Die Trainingsinhalte und -formen sind sehr unterschiedlich. Im Stützpunkt Neuhausen werden wie in Westeuropa generell die Trainingsformen generell sehr variabel gehalten. Man versucht als Trainer dem Training täglich neue Inhalte und Impulse zu geben. In Tianjin wird das tagtäglich das gleiche Trainingsprogramm durchgezogen. Das Kraftraining in Neuhausen findet einmal wöchentlich mit individuellen Übungen für die Spieler statt; zweimal wöchentlich findet ein Lauftraining statt. In Tianjin findet das Kraftraining täglich um 11:00 Uhr für 30 Minuten statt. So einen Trainingslehrgang in China durchführen zu können, ist für alle Beteiligten sehr befruchtend, da das Trainingsprogramm sehr intensiv ist und die SpielerInnen eine andere einfacher gehaltenere Form des Trainings sehen und erkennen, dass es nicht unbedingt vieler komplexer Übungen bedarf um gut trainieren zu können.

3. Was waren die Höhepunkte des Aufenthaltes in China?
PP: Highlights des Aufenthaltes waren sicherlich die zwei ausgetragenen Wettkämpfe STT/TTCN – Tianjin (China). Vor 2’000 Zuschauern einen Vergleichskampf zu spielen wird für viele der Schweizer Athleten ein einmaliges Erlebnis bleiben. Die Art und Weise wie der Ländervergleich aufgebaut, organisiert und durchgeführt wurde war bemerkenswert. Die uns entgegengebrachte Gastfreundschaft und vor allen Dingen die perfekte Organisation von Training, Events, Hotel, Kultur, Bus- und Zugreisen, Bereitstellung von Trinkwasser in der Halle etc. durch Herrn Zhai waren mehr als beeindruckend. Aus kultureller Sicht war der Besuch am Abschlusstag der chinesischen Mauer und des sagenhaften Abschlussbuffets sicherlich ein Highlight.

4. Wieweit sind die Verhältnisse in China mit denjenigen in Europa und der Schweiz vergleichbar?
PP: Die Verhältnisse mit der Schweiz/Europa sind nicht vergleichbar aufgrund der nicht unbedingt notwendigen Schulausbildung zur Einkommenssicherung in China sowie der Mentalitätsunterschiede. Der Leistungssport wird in Tianjin vom Staat in der Weise unterstützt, dass es möglich ist, sich bereits im Kindesalter voll auf den Sport zu konzentrieren. Die Eigenmotivation der Spieler ist sehr hoch, da man sich durch die sportlichen Erfolge in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben arbeiten kann. Die Gegebenheiten bei uns sind ganz andere: Die Kinder finden viel später zum Leistungssport und die schulische Ausbildung steht immer im Vordergrund. In der Schweiz selbst gibt es praktisch keine Möglichkeiten, als Spieler mit Tischtennis den Lebensunterhalt voll und ganz zu verdienen. In Deutschland besteht als Tischtennisprofi diese Perspektive, sofern man die notwendige Leistungsstärke hiefür erreicht. Insofern sollte die deutsche Bundesliga das Wegweisende eines Talents mit internationalem Potential im Jugendbereich sein. In China steht zudem ein unerschöpfliches Spielerreservoir zur Verfügung, so dass bereits alle Spielsysteme und Materialarten bereits frühzeitig für alle Lernenden zur Verfügung steht.

Die Neuhauser Delegation wird mit Jian Li am 17.10.2007 am Morgen in Frankfurt landen und gegen Mittag in Schaffhausen zurückerwartet.